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Navi Update

Kartendaten aktualisieren oder nicht?

Wer hat die besten Karten? Der Herbst ist Zeit der Updates von Kartendaten, die viele als Anlass für ein Navi Update nehmen.

TomTom und Here veröffentlichen jetzt Aktualisierungen ihrer Karten. Grund genug, vor dem nächsten Navi Update einen genauen Blick auf die beiden größten Kartenhersteller TomTom und Here zu werfen. Lohnt sich ein Navi Update der Karten, was hat sich getan im Vergleich zum Frühjahr und wie steht OpenStreetMap im Vergleich dazu dar?

Die Straßenkarte ist ein elementarer Bestandteil jeder Navigationssoftware. Wenn die Karten schlecht sind, kann auch die Navi nichts mehr reissen. Glücklicherweise sind die Straßenkarten in Europa, wie in fast allen Industrienationen, mittlerweile sehr gut. In Zentraleuropa sind praktisch alle Straßen detailgenau erfasst und Probleme wie fehlende Straßen oder Adressen sind eine seltene Ausnahme.

Dennoch, wer professionell unterwegs ist und viele Kilometer jedes Jahr zurücklegt, kennt die Orte vor jedem Navi Update, wo Wohngebiete neu erschlossen werden oder einfach eine Kreuzung durch einen Kreisverkehr ersetzt wurde. Oft dauert es eine Zeitlang bis diese Änderungen bei den Kartenanbieter auftauchen und dann beim nächsten Navi Update in den Straßenkarten erfasst sind.

In diesem Artikel wollen wir das Thema Navi Update Straßenkarten bzw. Kartendaten grundsätzlich beleuchten, erklären welche Unterschiede es zwischen den verschiedenen Anbietern gibt, ob sich ein Navi Update lohnt und wie man die beste Karte für die eigene Anwendung auswählt. 

Grundsätzliches zum Thema Straßenkarten und Navi Update

Beginnen wir mit ein paar grundsätzlichen Informationen zum Thema Straßenkarten und Navi Update. Für unsere Navigationssoftware MapTrip nutzen wir digitale Straßenkarten der Hersteller TomTom, Here und von OpenStreetMap (OSM).

Notwendige Schritte vor einem Navi Update

Dabei ist es interessant zu wissen, dass die Hersteller uns keine fertige Karte im üblichen Sinne liefern, die wir unbearbeitet für ein Navi Update weitergeben könnten. Was wir z.B. von Here bekommen ist vielmehr eine gigantische Datenbank. Allein für Europa hat sie eine Größe von ca. 500GB, die für ein Navi Update ersteinmal von uns gefiltert und aufbereitet werden müssen! Darin sind abstrakte Informationen gespeichert, die erst durch unsere weitere Verarbeitung in unserer Navigation als Karte angezeigt werden. Straßen sind z.B. durch Koordinaten abgespeichert. Dazu gibt es die Information, dass sich zwischen den Koordinaten eine Straße befindet, dass diese Straße eine vierspurige Bundesstraße ist, dass dort normalerweise eine Geschwindigkeit von 50km/h gefahren wird usw. Außerdem ist der genaue Verlauf von Flüssen, Wäldern und allerlei Waldwegen in dieser Datenbank gespeichert. Für die Nutzung in der Navigationssoftware bzw. für ein Navi Update der Karten müssen erstmal die wirklich erforderlichen Daten ausgefiltert werden. Dadurch reduziert sich die Datengröße von über 500 auf 6GB! 

Länge des Straßennetzes 1,3 oder 2,1 Millionen Kilometer – Wer bietet mehr?

Schauen wir uns exemplarisch die Kartendaten von Deutschland in Zahlen an, so wie sie nach unserem Filterungsprozess in der Navigation MapTrip landen. Da ist zunächst mal die zusammengenommene Länge aller Straßen. Die beiden kommerziellen Anbieter TomTom und Here weisen da ca. 1,9 und 1,3 Millionen Kilometer auf während OpenStreetMap auf stolze 2,1 Millionen Kilometer kommt. Es ist verführerisch, diese Zahlen als einen Hinweis auf die Qualität der Karten misszuverstehen. Das ist sie nämlich ganz und gar nicht. Die Länge des Straßennetzes hat ihre Ursache z.B. in der Menge der Rad-, Feld- und Waldwege die nach unserer Filterung in der Navigationskarte landen. Vergleicht man dagegen die Länge der Autobahnen, kommt man bei allen drei Anbietern bis auf wenige Meter auf die gleiche Länge. 

Ziel gefunden? Karten enthalten Zig-Millionen von Adressen

Zählt man die Zahl der Adressen in Deutschland, fällt auf, dass TomTom und Here deutlich mehr Adressen erfasst haben als OSM mit ca. 16 Millionen. Vermutlich liegt das daran, dass den Mappern das Zeichnen von Straßen, Flüssen und Seen mehr Freude bereitet als das dröge Erfassen von Adressen und deren Koordinaten.  

Wer also Adressen in seine Navigation eingeben will, ist vermutlich mit TomTom- oder Here-Karten besser bedient. Der genaue Blick auf die Adressdaten zeigt auch einen weiteren großen Vorteil der kommerziellen Kartenanbieter: Hier sind Adressen zuverlässig im immer exakt gleichen Datenformat erfasst. Bei OSM werden die Adressen teilweise in unterschiedlichen Formaten erfasst. 

Wer dagegen schon über Koordinaten seiner Ziele verfügt, wird vermutlich eher diese per Schnittstelle an die Navigation übergeben. Dann spielt die Zahl der in den Karten erfassten Adressen keine Rolle mehr und OSM kann eine attraktive Alternative sein.

Lohnt sich ein Navi Update?

In den meisten Industrieländern sind die Straßennetze sehr gut erfasst. Entsprechend sind die Unterschiede zwischen den Kartenreleases nicht riesig was die Menge der erfassten Straßen angeht. Hier geht es bei einem Navi Update eher um das Erfassen von Veränderungen im Straßennetz. Da kommt ein Neubaugebiet hinzu, ein Gewerbegebiet wird neu erschlossen oder eine Kreuzung wird in einen Kreisverkehr umgebaut. Mit dem Blick auf professionelle Navigation sind auch solche kleinen Änderungen immens wichtig und geben dem Thema Navi Update der Kartendaten eine ganz andere Bedeutung. Wer in der Ver- oder Entsorgung tätig ist, braucht dringend alle Neubaugebiete in den Karten. Und wenn auf der A1 die Leverkusener Brücke neu gebaut und solange für LKW gesperrt bleibt, gehört das unbedingt in jede LKW-Navigation! 

Navi Update
Ein Karte des Braunkohlereviers zwischen Köln (am rechten Kartenrand) und Aachen. Als rote Linien sind die Straßen und Autobahnabschnitte zu erkennen, die dem Braunkohletagebau weichen mussten.

So gesehen, muss man als Privatperson nicht zwingend jedes Navi Update nutzen. Eine andere Bedeutung haben Navi Updates in der professionellen Nutzung, wo jeden Tag gefahren wird und die Navigation den Arbeitsalltag vereinfachen soll, wäre jede fehlende Adresse, jede falsche Ansage an einer geänderten Kreuzung oder gar eine fehlende LKW-Sperrung mehr als ärgerlich. 

Zum Glück sind aber die Zeiten vorbei, in denen ein Navi Update einen riesigen Aufwand bedeutete. Im professionellen Umfeld betrifft ein Navi Update in der Regel nicht nur ein oder zwei Endgeräte, sondern alle Geräte einer Flotte also 10, 20 oder gar hunderte Geräte. Ein Navi Update bedeutete früher einen riesigen manuellen Aufwand. Wir haben uns daher für MapTrip viele Gedanken gemacht und deshalb lädt unsere Navi fast alle Kartendaten taufrisch und immer aktuell von unseren Servern. Dort kümmern wir uns um regelmäßige Updates, so dass häufige Navi Updates entfallen und unsere Kunden überhaupt keinen Aufwand mehr haben.  

Navigation auch im Katastrophenfall ohne Internet

Dazu ist aber natürlich eine funktionierende Internetverbindung erforderlich. Die Flut im Ahrtal im Sommer 2021 hat gezeigt, dass man sich nicht immer auf eine funktionierende Infrastruktur verlassen kann. Gerade für Navigationsnutzer im professionellen (vielleicht sogar systemkritischen) Branchen ist das ein wichtiger Aspekt. MapTrip kann daher die Kartendaten als Backup auf dem Gerät speichern, so dass auch offline, also ohne Internet, navigiert werden kann. 

LKW-Navigation mit OSM? Besser nicht!

Karte ist nicht gleich Karte! Anders als fast alle anderen Navigationssysteme bietet MapTrip seinem Nutzer die Wahl des Kartenmaterials. Wie entscheidet man also, ob eine Karte von OpenStreetMap, Here oder von TomTom die richtige ist? Wir versuchen hier, ein paar Entscheidungshilfen zu geben und Kriterien zu erklären nach denen man Karten beurteilen kann. Fangen wir mit einem einfachen Beispiel an:

Wer eine Navigation für seinen LKW sucht braucht eine Karte die die Höhe von Tunneln, das Maximalgewicht für Brücken und andere LKW-Beschränkungen wie Sperrungen für Gefahrgüter enthält. OSM enthält durchaus viele solcher LKW-Attribute, aber nicht alle, und nicht zuverlässig, und nicht in allen Ländern! Wir würden also nie einem Kunden raten, OSM für seine LKW-Navigation zu nutzen! Hier sollte man sich auf jeden Fall für einen der beiden kommerziellen Anbieter entscheiden, die qualitätsgesicherte Karten mit LKW-Attributen liefern. 

Wie wähle ich die richtige Karte für mich?

In welchem Land, in welcher Region bin ich unterwegs?

Bei manchen anspruchsvollen Spezialanwendungen erleben wir es immer wieder, dass ein Kunde mit der Karte des einen Anbieters Probleme hat und sich alles in Wohlgefallen auflöst, sobald er die Karte wechselt. So verhielt es sich mit einem Kunden in Chile dessen Navi erst gar nicht, und nach einem Navi Update mit Wechsel des Kartendatenanbieters wunderbar funktionierte. In Europa ist zwischen den kommerziellen Anbietern TomTom und Here i.d.R. aber kein genereller Unterschied festzustellen.  

Bei OpenStreetMap macht es aber durchaus auch generell Sinn vor der Entscheidung einen Blick in die Karten zu werfen. So macht es einen spürbaren Unterschied, ob man in Großbritannien (dem Heimatland von OSM) oder im deutlich schlechter digitalisierten Frankreich unterwegs ist. 

Welche Anwendung ist geplant?

Die Art der Navigationsanwendung ist von entscheidender Bedeutung für die Wahl der Karte. Während LKW-Navigation fast zwangsläufig OSM ausschließt, kann OpenStreetMap für andere Anwendungen große Vorteile haben! OpenStreetMap hat oft eine riesige Detailtiefe. Nicht nur Straßen und Kreuzungen sondern auch fast jeder Fuss- und Radweg (*) ist hier erfasst. Das kann für Anwendungen in der Abfallwirtschaft oder im Winterdienst ein großer Vorteil sein, denn auch diese Wege müssen befahren werden. Dass andererseits nicht alle Abbiegevorschriften und Adressen in OSM enthalten sind, fällt hier nicht ins Gewicht!

Live-Verkehrsmeldungen – Das Sahnehäubchen auf der Karte

Jede Karte ist eine statische Abbildung einer sich dynamisch verändernden Umwelt. Diese Formulierung soll deutlich machen, dass keine Karte die Realität zu jedem Zeitpunkt perfekt abbilden kann. Mit aktuellen Verkehrsmeldungen kommt man diesem Ideal aber schon sehr nahe! 

Es gibt fast kein Anwendungsszenario für Navigationssoftware das durch die Nutzung von Verkehrsinformationen nicht verbessert werden könnte. In der LKW-Navigation ist es glasklar. Zeit ist Geld und wer will sein Geld schon im Stau stehend verschwenden? Verkehrsinformationen sind nicht nur live als Verkehrsmeldungen, sondern auch offline als statistische Informationen für die Planung zukünftiger Fahrten verfügbar. Damit sind sie Teil der Karte und die Wahl des Kartenanbieters entscheidet auch über die Wahl der Verkehrsinformationen. 

Während die statische Karte Basisinformationen zu Straßenverläufen und Adressen enthält, erwecken Verkehrsinfos die Karte zum Leben. Für Anwendungen in der Logistik sollte die Betrachtung der Verkehrsmeldungen ebenso viel Beachtung finden wie die Beurteilung der Karte selbst!  

TomTom – Kurze Firmengeschichte

Die Firma TomTom ist als Hersteller von Navigationsgeräten groß geworden. Im Jahr 2011 übernahm TomTom den Kartenhersteller Tele Atlas. Einige Jahre später kam eine Gruppe von Berliner Forschern dazu, die aus den Bewegungsdaten von Fahrzeugen hochaktuelle Verkehrsinformationen erzeugen. Heute ist die Firma TomTom als Anbieter von Navigationslösungen für die Automobilindustrie, von Kartendaten und von Verkehrsinformationen aktiv.

Here – Kurze Firmengeschichte

Here hat eine sehr wechselhafte Firmengeschichte. Am Anfang stand die Firma Navteq, die 1985 in Chicago als Kartenhersteller (in Konkurrenz zu Tele Atlas) gegründet wurde. 2011 wurde Navteq von Nokia übernommen und in Here unbenannt. Nokia hatte außerdem das Berliner Navigations Start-Up Gate5 übernommen deren Karten- und Navigationstechnologie in Here aufging. Weiterhin wurde die Bonner T-Traffic (ein Tochterunternehmen der Telekom) als Know-How Träger für Verkehrsinformationen übernommen. 2015 wurde Here schließlich von einem Konsortium aus Daimler, BMW und Audi übernommen.

Über OpenStreetMap

OpenStreetMap ist das Wikipedia der Straßenkarten. Jeder kann zu OSM beitragen indem er mit einem GPS-Empfänger Orte digitalisiert oder über einen Webeditor Straßen zeichnet, Adressen einpflegt oder den Ort seiner Lieblingseisdiele einträgt. OSM wurde 2004 in England ins Leben gerufen und hat sich seitdem rasant entwickelt. Laut OSMStats gibt es ca. 8 Millionen Mitglieder von denen im Schnitt ca. 6.000 täglich aktiv sind.